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Aug 03

Stereoskopie bei der Acht in Frankfurt

ACHT Frankfurt organisierte am 29. und 30. April ein Stereoskopie Labor, welches Kunden, Art Direktoren und Agenturen das Thema Stereoskopie näher bringen soll. Hierbei werden zum Einen wichtige technische Grundlagen vermittelt und zum Anderen geht es um neue gestalterische, sowie dramatugische Denkweisen. Denn die klassisch-filmische Bildsprache lässt sich nicht eins zu eins im stereoskopischen Raum umsetzen. Für dieses Labor wurde Michael Laakmann – Kameramann und Stereographer aus Berlin – engagiert, der auch schon beim erfolgreichen HD Labor vertreten war. Für Fragen in der Postproduktion wurde Karl Larsson von The Chimney Pot aus Stockholm eingeladen. Durch das Stereoskopie Labor konnten sich die Besucher ausreichend mit der Materie befassen, um künftig auch stereoskopische Filme planen und umsetzen zu können.

Um einen stereoskopischen Film zu produzieren, ist es wichtig ein grundlegendes Verständnis von der räumlichen Wahrnehmung des Menschen zu haben. Dreh und Angelpunkt unserer dreidimensionalen Wahrnehmung ist der Abstand zwischen unseren Augen. Durch den Abstand zwischen den Augen sieht jedes Auge die Welt aus einem leicht anderen Blickwinkel.
Unser Gehirn fügt das Bild des linken und des rechten Auges zu einem Bildeindruck zusammen. Bei diesem Verfahren gewinnen wir den Eindruck der Tiefe, welcher es uns ermöglicht sehr präzise abzuschätzen wo sich Objekte im Raum befinden. Man merkt wie wichtig das ist, wenn man ein Auge schließt und versucht schnellstmöglich ein Objekt anzutippen. Die horizontale und vertikale Position wird zwar richtig erkannt, doch in der Tiefe verschätzt man sich sehr schnell.

Bei Objekten im Nabereich konvergieren unsere Augen (Schielen), um diesen folgen zu können. Wenn unsere Augen parallel zueinander ausgerichtet sind, blicken sie auf den Fernpunkt. Bei einer konvergenten Stellung sind die Augen angespannt und beim parallelen Sehen entspannt. Deshalb wird der Blick auf den Horizont als entspannend wahrgenommen und langes Arbeiten vor dem Bildschirm als anstrengend. Der Begriff „Divergent“ beschreibt eine Situation, bei der die Fernpunkte der beiden Stereobilder in der Projektion weiter auseinander liegen als der Augenabstand. Man müsste also nach Außen schielen, um die Bilder fusionieren zu können. Das Divergieren beschreibt aber auch das zurückdrehen der Augen aus einem konvergenten Zustand.

Um dem späteren Zuschauer den richtigen Tiefeneindruck zu ermöglichen, ist es sehr wichtig die reale Welt nachzuahmen. Hierfür sind einige Kalkulationen nötig. Der wichtigste Wert zur Berechnung ist der Abstand zwischen den Augen. Dieser beträgt bei einem durchschnittlichen Menschen zwischen 60 und 65 mm. Rein Theoretisch sollten die Kameras also nur 65 mm (in der Praxis eher kleiner) von einander entfernt sein. Rein technisch ist das, aufgrund der großen Kameragehäuse, leider nicht möglich. Deshalb gibt es Spiegelrigs und Toed-In Setups, die durch optische Tricks einen kleineren Abstand kreieren können. Dadurch haben sie aber auch spezielle Eigenarten, die der Kreative kennen muss.

Bei einem Toed-In Setup wird schon am Set entschieden wo sich das Scheinfenster bzw. die Nullebene befindet, indem die Kameras konvergiert werden. Durch das Eindrehen der Kameras kann man zwar einen guten Roundnessfaktor im Nahbereich erziehlen, jedoch erhält man zusätzlich Verzerrungen im Fernpunkt, sowie Keystoning.
Bei einem parallelen Setup wird erst in der Postproduktion festgelegt wo sich das Scheinfenster bzw. die Nullebene befindet. Hierfür werden die Bilder gegeneinander verschoben, wobei am jeweiligen Bildrand Pixel wegfallen. Dies sollte bei der Cadrage / Framing berücksichtigt werden.

Die Stereobasis (Abstand zwischen den Kameras) muss dem jeweiligen Set angepasst werden, damit die gewünschte optimale Raumtiefe in Bezug zum Nah- und Fernpunkt funktioniert. Die Empfehlung von Michael Laakmann ist, die Einstellwerte im Hinblick auf die größtmögliche  Projektion zu wählen, da eine Reduktion der Projektionsgröße unbedenklich ist. Wenn der Film jedoch beispielsweise für eine Leinwand von 2 m konzipiert wurde und dann auf einer Leinwand von 7 m projiziert wird, ist der Abstand zwischen den positiven Parallaxen (Disparität der beiden Fernpunkte) zu groß. Der Zuschauer müsste nach Außen schielen – die Augen müssten divergieren – um die Bilder zu fusionieren. Da die Augen das nur bedingt können wird der Stereoeindruck unangenehm und führt zu Kopfschmerzen oder Übelkeit.
Die Stereowahrnehmung steht in Abhängikeit zwischen Leinwandgröße, Zuschauerabstand und der Disparität des Stereobildpaares (Stereobasis). Bei einer 7 m breiten Leinwand ist der Stereoeindruck mit einem Abstand von 7 m am angenehmsten, also im Verhältnis 1:1. Ist man weiter entfernt, wirkt das Bild zu tief. Ist man der Leinwand näher, wirkt das Bild flacher. Wenn man sich zu nah an der Leinwand befindet, wird der Stereoeindruck ungenießbar weil die Disparität zu groß ist. Um die optimale positive Parallaxe der Fernpunkte für eine bestimmte Leinwandgröße zu ermitteln, kann man sich folgende Formel zu Nutzen machen:

Augenabstand / Leinwandgröße * Bildbreite in Pixel = 1%

Bei einer Leinwandgröße von 7 m und einer Full HD Auflösung ergibt sich also folgendes:
6,5 cm / 700 cm * 1920 px = 17,82 px

Diesen Maßstab muss man anschließend am Fernpunkt abmessen. Bei einer 7 m breiten Leinwand sollte der Versatz am Fernpunkt also nicht größer sein, als 18 pixel.

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