Cgheute: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den anderen VFX-Firmen die an “Avatar” gearbeitet haben? Hast Du evtl. auch James Cameron kennen gelernt?
Anselm von Seherr-Thoß: Wir haben für die Shots, die nicht ursprünglich für uns angedacht waren einen Grossteil der Assets von den anderen Firmen bekommen. Vieles mussten wir aber selbst Modeln oder so umstrukturieren, das es für unsere Zwecke benutzbar war, wir bekamen einige PreViz Modelle, die in ihrere Qualität fuer ein Final nicht ausreichten. Etwa der “Hometree” musste neu gebaut werden, damit wir Krakatoa PRT Geo Volumes erstellen konnten, ein Partikelraster(LevelSet) innerhalb einer Poly-Geometrie um den LIDAR Scan-Look zu simulieren.
James Cameron hat mit unseren Producern und Supervisors sehr regelmässig Video-Konferenz gehalten, das wurde aufgezeichnet und der jeweils uns betreffende Part vorgespeilt. Ich selbst habe James Cameron nie getroffen und war auch nicht auf der Wrap-Pary, da ich schon im Urlaub bei meinem Weibchen war
Cgheute: Arbeitest Du in L.A. noch mit Leuten zusammen die Du aus deiner Studienzeit/Deutschland kennst?
Anselm von Seherr-Thoß: Nein. L.A. War ein Neuanfang. Es arbeiten zwar deutsche hier, besonders, da Pixomondo und Scanline VFX hier auch ihre Lager aufgeschlagen haben, aber bei Prime Focus VFX in L.A. arbeiten keine weiteren ausser mir
Ich halte aber Kontakt mit den Artists aus Deutschland, mit denen ich zusammen gearbeitet habe. Ich bin ein Team-Mensch. Mit den Leuten aus meiner Studienzeit habe ich kaum bis garkeinen Kontakt mehr. Die sind auch nicht wirklich Artists geworden sondern alles Mögliche andere, was weniger schwachsinnig lange Arbeitstage und im Buero übernachten mit sich bringt. Ich gehör aber in den “Schützengraben”, ich koennt’ mir nicht vorstellen, was anderes zu machen!
Cgheute: Wie ist das Leben und Arbeiten in L.A.? L.A. ist ja sehr gross, gibt es sowas wie einen „Hot- Spot“ wo viele VFX/Animations Firmen angesiedelt sind. Wie schafft man es in L.A. bekannt zu werden.
Anselm von Seherr-Thoß: Man arbeitet verdammt viel
Mehr als in Deutschland. Ich habe den Eindruck hier in den USA kommt das Privatleben nach dem Berufsleben wobei wir es bei Prime Focus VFX ganz gut haben
Ich verlasse Hollywood sehr selten, da ich kein Auto habe hier. Ich wohne 15 Minuten zu Fuss von der Arbeit weg im Herzen Hollywoods. Da gibt’s fast alles, was man braucht, L.A. Ist so gross, das jeder Stadtteil wie eine eigene Stadt ist. An den Wochenenden brauen wir mit ein paar Arbeitskollegen Bier selbst oder gehen auf Technoparties. Wenn man viel arbeitet ist es fast überall gleich, nur hier scheint meistens die Sonne
Ich denke die meisten Firmen sind in Culver City, Venice, Santa Monica und eben Hollywood angesiedelt. Für Artists macht es daher Sinn, sich dort niederzulassen oder 30-120 Minuten Anfahrt von und zur Arbeit in Kauf zu nehmen. Das Verkehrsnetz ist kollabierend und überlastet hier. Wie man es schafft “bekannt” zu werden weiss ich nicht
Anerkennung bekommt man wie überall durch gute Arbeit. Wir hatten hier sehr gute Artists, mit denen aber keiner zusammenarbeiten konnte. Soziale Kompetenzen sind ebenso wichtig, wenn man bis zu 16 Stunden am Tag während einer Deadline, also angespannter Situation, zusammen verbringt. Anerkennung bekommt man auch durch Helfen anderer in Foren z.B. oder eben durch das Herausbringen von Trainings DVDs. Ich mache beides
Wenn man Leuten in Foren hilft, zeig das A) das man sein Handwerk versteht und B) das man im Internet präsent ist. Beides hilft, besonders als Freelancer! Was immer hilft sind Privatprojekte, wenn man noch keinen Job hat. Sei es ein Kurzfilm oder nur ein paar VFX Shots, die man daheim zusammenduebelt. Wenn die Qualität stimmt, werden Leute das Video verlinken oder darüber erzählen. Ich habe z.B. Artikel geschrieben:
The Freelancer’s Manifesto- A Collection of advice
Project Setup/Management and Quality Assurance for Small Business
Cgheute: Wie hoch ist das Niveau, oder wie gut sind die VFX Leute, die in L.A. Arbeiten. Kann Prime Focus VFX auf einen grossen Pool von wirklich guten VFX/Animations Leuten zurückgreifen?
Anselm von Seherr-Thoß: Hier in L.A. gibt es Artists aller Klassen
Durch die hohe Präsenz von VFX Studios wie eben Prime Focus VFX ist die Anzahl sehr guter Leute natürlich geballter hier. Aber ich habe eben so gute Artists in Deutschland getroffen. Das wahre Geheimnis ist mehr Budget und Zeit für die Sachen. In Deutschland wird nur ein Bruchteil an Kohle für VFX verbraten und dann sind die Deadlines meist zu kurz um richtig geiles Zeug zu machen. Qualität kostet eben und ein guter 3D Artists ist unter 300 500 Euro am Tag eben schwer zu finden… Unser Pool an Artists auf Freelancer Basis hängt davon ab, was ansonsten gerade in L.A. los ist. Wir brauchten dringend mehr Artists in der ersten “Avatar” Phase, aber alles Brauchbare an Max Freelancern hier war noch bei Uncharted Territory, Pixomondo oder Scanline VFX an “2012” beschäftigt. Die haben dann übergangslos bei uns angeheuert, als “2012” im Kasten war.
Cgheute: Du hast 2 Tutorial DVDs zum Thema Partikel in 3D Studio Max bei Turbosquid herausgebracht. Erzähl uns doch kurz was darüber. Hast Du gemerkt das das Herausbringen der Tutorial DVDs deinen Bekanntheitsgrad in der Branche erhöht hat? (Ist es so das Du mit Leuten aus der Branche dich unterhältst, und die sagen: „Kenn ich, hab ich gesehen, hat mir geholfen?)
Anselm von Seherr-Thoß: Das ist richtig! Von Tutorial DVDs von beispielsweise Allan McKay(vfxsolution.com) und Chris Thomas(cg-academy.com) habe ich eine Menge gelernt. Ich hab immer davon geträumt auch mal so cool zu sein und eigens Lehrmaterial draussen zu haben
Ihr solltet die hier mal als Testbericht haben. Nein, Scherz bis auf den Testbericht!
Wie weiter vorher schon erwähnt helfe ich gern anderen in Foren etc. und bekomme viele Emails und PMs bei Facebook, LinkedIn oder CGTalk. Die Leute von TurboSquid sind Freunde von mir, da ich mich regelmäßig in New Orleans aufhalte, wo TurboSquid angesiedelt ist, so kam auf der letzten Siggraph die Zusammenarbeit zustande, als ich bei denen auf dem Stand Particle Flow Toolbox 2+3 im Stundenrhythmus vorgeführt habe. Für beide Particle Flow Erweiterungen gibt es keinerlei Lehrmittel ausser den paar Tutorials auf der Herstellerseite www.Orbaz.com Die beiden Plugins sind also meine Schwerpunkte auf den DVDs zusammen mit RayFire und Krakatoa. Es war verdammt nochmal an der Zeit, da es keine Toolbox 3 DVD gab. Mit Particle Flow Toolbox 3 kann man jeden Operator in Particle Flow selbst bauen und somit erweitern. Das klingt alles sehr kompliziert, ist es aber gar nicht! Es muss den Leute nur näher gebracht werden
Ich hatte mir immer eine DVD dazu gewünscht…wenn man nicht alles selber macht
Bei der Particle Flow Toolbox 2 DVD war es einfach ganz gut getimed, da das Plugin noch nicht so lange draußen ist und es außer den Beta-Testern noch nicht viele kennen, geschweige denn beherrschen.
Checkt die Trailer zu den DVDs aus:
PFlow Toolbox Office: Volume 1 – Trailer
PFlow Toolbox Office: Volume 2 – Trailer



























































